Geschichte der Familie von Blücher, 1914-2003
(Lebrecht v. Blücher)

Das Schicksal und die Genealogie der Familie im 20. Jahrhundert. Das Buch schließt an die "Geschichte der Familie von Blücher, 1870-1914" an. Eindrucksvoll sind die Schilderungen der Beteiligten über ihre Erlebnisse in und nach den beiden Weltkriegen. Der Zweig Poggelow in Texas wird erstmals ausführlich dargestellt.

"... Die Auswahl der Bilder, die Lebensläufe wunderbar, keineswegs so langweilig, wie Familiengeschichten sein können..." Gräfin R. v. der Schulenburg

310 S., Leineneinband mit Silberprägung, 230 Abbildungen, 32 genealogische Tafeln, ausführliches Personenverzeichnis, EURO 60,00, ISBN 3-934249-01-9
Auszüge aus den Seiten 30 bis 36 der Familiengeschichte,

... Hans machte im Herbst 1914 die Kämpfe in Ostpreußen als aktiver Hauptmann im Grenadier-Regiment Kronprinz (1. Ostpreußisches) Nr.1 mit und wurde nach der Schlacht bei Tannenberg mit dem EK II ausgezeichnet. Wegen eines schweren Rückenleidens mußte er noch 1914 den Abschied nehmen. Er lernte Landwirtschaft und übernahm nach dem Tode seines Vaters 1917 den väterlichen Besitz. 1920 kamen Westpreußen und damit auch Ostrowitt zum neuerrichteten polnischen Staat. Alle Deutschen, die in ihrer Heimat bleiben wollten, mußten polnische Staatsbürger werden. Obgleich auch Hans für Polen optiert hatte, wurde seine polnische Staatsangehörigkeit angefochten, da er an einem der Stichtage seinen Wohnsitz nicht in Ostrowitt gehabt hatte.

Lange Zeit stand daher Ostrowitt unter der Drohung der Enteignung. Hans gab nicht auf, focht seine Sache als Präzedenzfall vor einer internationalen Institution in Genf durch und erhielt Recht. Später wurde Ostrowitt z.T. Opfer der polnischen Agrarreform, die sich in erster Linie gegen den deutschen Grundbesitz in Westpreußen und Posen richtete. Ende der zwanziger Jahre wurde das ganze Vorwerk Steinbrück und ein großer Teil des Vorwerks Eichfelde, zusammen 450 ha, enteignet und aufgesiedelt, obwohl Hans kein Mittel unversucht ließ, dies zu verhindern. Nur durch Ausbruch des Krieges 1939 wurde die endgültige Aufsiedelung des Besitzes bis auf ein kleines Restgut verhindert. Trotzdem hat er sich immer vorbildlich gegenüber den Polen verhalten, was ihm nach dem Kriege die polnische Presse bestätigte und wie es u. a. ein Brief [...]

Von seinem Bruder Karl übernahm Hans am 15. März 1930 das alte Blüchersche Familiengut Rosenow bei Neubrandenburg/Mecklenburg. Es gelang ihm jedoch nicht, das Gut endgültig zu sanieren, und er sah sich gezwungen, Rosenow am 1. Juli 1935 an einen Herrn Hilgendorff zu verkaufen, um sich und seinen Kindern die Heimat Ostrowitt zu erhalten. Hans setzte sich mit seiner ganzen Person durch Mitarbeit in der Organisation der deutschen Landwirte und Bauern, dem "Landbund Weichselgau" und im landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen für das Deutschtum ein. Sein Ansehen und seine Beliebtheit gingen weit hinaus über seine engere Umgebung. Ostrowitt war ein Mittelpunkt für die evangelische Kirchengemeinde, die vor allem Ruth viel verdankte. Hans war, obwohl evangelisch, Patron der katholischen Ostrowitter Dorfkirche. Dies führte z.B. bei Gebäudereparaturen zu nicht unerheblichen Belastungen. Sein Verhältnis zum katholischen Ortspfarrer war stets gut und vertrauensvoll. Wenn die Kleediebstähle im Sommer das erträgliche Maß überschritten, führte das auch einmal zu einem Donnerwort von der Kanzel. Nach dem Krieg ließen Gutsleute in der Kirche Messen für Hans lesen.

Bei Kriegsausbruch befand sich Hans in Danzig, was ihm vermutlich das Leben rettete. Er stand obenan auf den polnischen Listen der zu Verhaftenden, von denen ein großer Teil von den berüchtigten Todesmärschen und aus der Haftzeit nicht zurückkehrte. Mit der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht kamen trotz der Freude, wieder zu Deutschland zu gehören, neue Sorgen. Da Hans sich für viele Polen, nicht nur für die eigenen Gutsleute, einsetzte, hatte er bald Schwierigkeiten mit der Partei. Diese führten so weit, daß er sich im Jahre 1941 für einige Monate zur Wehrmacht einziehen ließ, um der drohenden Gefahr der Verhaftung durch die Gestapo zu entgehen. 1945 führte Hans den Ostrowitter Treck (der größere Teil der polnischen Gutsleute mit ihren Familien blieb in Ostrowitt zurück) unter schweren Bedingungen bis nach Westmecklenburg in den Kreis Hagenow. Die polnischen Arbeiter, die in großer Treue bis dahin mitgekommen waren, kehrten in ihre Heimat zurück