"Historische und andere Erlebnisse aus drei Jahrhunderten"

Band 4
Wolkow in Hinterpommern - Von den Anfängen bis zur Flucht (Joachim v. Blücher)
Joachim v. Blücher beschreibt die Geschichte des Gutes 1853 - 1945 und schildert Landschaft und das harte Landleben in Hinterpommern mit vielen Details. Er führt den Leser auch das gesellschaftliche Leben vor Augen. besonders interessant ist der Literarische Rundgang zu über 30 umliegenden Gütern.

141 S. A5, 35 Abb., 1 genealogische Tafel, Personenverzeichnis mit über 120 Familiennamen, fester Einband, EUR 20,00, ISBN 3-934249-05-1

Hinterpommern - für viele eine unbekannte Gegend des deutschen Kulturraums. In seinen Aufzeichnungen von 1948 versteht es Joachim v. Blücher (1888-1980), in sachlicher und einprägsamer Sprache des frühere, harte Leben auf einem Gut in diesem schönen Land zu schildern. das Buch endet mit dem Beginn der Flucht, weil es dem Verfasser damals noch nicht möglich war, die dabei erlebten Schrecken in Worte zu fassen.

Als Besitzer des Gutes Wolkow im Kreis Regenwalde führte Joachim v. Blücher dieses bis 1945. In seiner Schilderung beeindruckt die Verantwortung, die ein Gutsherr gegenüber seinem Erbe und seinen Mitarbeitern zu tragen hatte. Die Entwicklung des kargen Landes erstreckte sich über Generationen. Jeder einzelne Gutsherr trug seinen Teil dazu bei.

In Joachim v. Blüchers Erinnerungen wird das tiefe Vertrauensverhältnis zwischen Gutsherrschaft und Mitarbeitern deutlich, das sich in der Regel sogar über die Flucht hinaus erhalten hat.

Mit Beschreibungen der Beziehungen zu über 30 umliegenden Gütern rundet er das Bild des Landlebens in Hinterpommern ab.

Auszüge:
Die Ursprünge in Wolkow

...Ursprünglich war Wolkow Dewitzscher Besitz gewesen. Diese alte pommersche Adelsfamilie hatte ihre Stammburg in Daber, Kreis Naugard/Pommern, und das Gebiet zwischen den kleinen Städten: Daber, Naugard, Plathe, Regenwalde ist in der Hauptsache jahrhundertelang im Lehen und dann im Besitz dieser Familie gewesen, bis dann die napoleonische Zeit und Preußens Zusammenbruch zu Beginn des 19. Jahrhunderts diesen Reichtum an Landbesitz aus den Händen der alten Familien schlug. Auf dem kleinen Kirchturm der Wolkower Kirche, die noch aus der katholischen Zeit Pommerns stammte, wehte noch am 3.3.1945 eine schmiedeeiserne Wetterfahne mit den Buchstaben: C. L. v. D. und der Jahreszahl 1806. Wahrscheinlich ist Wolkow ein Gut der Dewitzschen Herrschaft Maldewin gewesen, wohin Wolkow auch seit dem 30jährigen Kriege eingepfarrt war. Und da Wolkow nach den Freiheitskriegen aus den Händen der Familie Dewitz kam, wird der letzte Besitzer dieses Geschlechtes jener Maldewiner Dewitz gewesen sein, der, als er von seinem Vater seinen Besitz über- nahm, ein Kind war und 14 Güter hatte, und als er starb (etwa 1845), hatte er 14 Kinder und ein Gut. <br><br>
Aus diesen Lehens- und Besitzverhältnissen heraus hatte sich die Benennung derLandschaftsgebiete bis in die heutige Zeit erhalten. So hieß das oben genannte Gebiet der Dewitz-Kreis, das nach Osten angrenzende der Borcke-Kreis mit den Städten Labes, Wangerin und Regenwalde, die von der Familie von Borcke gegründet waren. Labes führte noch bis heute, Wangerin bis 1595 deren Wappen als Stadtwappen, das übrigens auch im Wappen des Landkreises Regenwalde erscheint. Im Norden schloß der Osten-Kreis an. Die Familie v. d. Osten hatte hart an der Dewitz-Grenze auf dem Nordufer der Rega in Plathe ihre Stammburg, die von dem späteren Besitzer des Fideikommisses Plathe, Graf Karl v. Bismarck -Osten zu einem stil- und geschmackvollen Schloß ausgebaut wurde. Gegenüber lag die Burgruine der pommerschen Linie von Blücher, die im Norden Plathes sehr reich begütert war, aber im 18. Jahrhundert im Mannesstamm erlosch. 0..

Der Borcke- und der Dewitz-Kreis liegen nun an den Westhängen des pommerschen Höhenrückens- Zahlreiche, zum Teil tief eingeschnittene, zum Teil tief ausgelagerte, von Süd nach Nord verlaufende Täler mit vielen Bächen und kleinen Flüssen, mit vielfach bewaldeten Ufern und reizvollen Seen, mit überraschenden Steilhängen und Hügelketten, gaben der Landschaft ein abwechslungsreiches Gepräge, das mit zahlreichen Fernblicken, seinen geschlossen liegenden Ortschaften, seinen tiefgrün bis dunkelblau schimmernden Kiefernwäldern, mit dem unterbrechenden helleren Grün der Buchen, Eichen und Birken und der immer etwas frischen Brise von der See her mit ihrem Salzgeruch der Luft dem Landschaftscharakter etwas ungemein Großzügiges und Herbes verleihen. Eine Umwelt, in der der Mensch zäh und hart, verschlossen, bedacht und ernst und doch so überaus glücklich wird; wo er wagt und gewinnt und, wenn er verliert, immer wieder von Neuem wagt. Was das deutsche Volk hier verloren hat, ist mehr denn nur eine Provinz.

...Endmoränenlandschaft mit ihren großen Reizen, mit ihrem Blick in die Weite, aber auch mit ihren schweren Aufgaben für den Landmann und Bauern, mit ihrem Boden von schwerstem, sterilstem Lehm, dem besten Weizen- und Kleeboden, bis zum kärgsten Kartoffel- und Roggensand, von Hoch- moorwiesen und quelligem Treibsand im Untergrund, von Kies und Steinbrüchen und Findlingsadern unter der Mutterbodenschicht von unerschöpfbarer Ergiebigkeit.